Fahrdynamisches Zentrum Bodensee

In Steißlingen nehmen Motorsportler des ADAC-Ortsclub Friedrichshafen neues Fahrzentrum unter die Lupe
Perspektive für Kart-Gruppe und Supermoto-Club?
Von Siegfried Großkopf
Friedrichshafen/Steißlingen – Die Wege ab Friedrichshafen sind weit, dem eigenen Sport zu frönen. Das wissen die Kinder der Kart-Jugendgruppe samt Eltern wie die Aktiven des 1. Supermoto-Club Bodensee. Während die einen zum Trainieren bis nach Memmingen, Ehingen und Bopfingen müssen, fahren die anderen (wie zuletzt über Ostern) in den „Safetypark“ ins Südtiroler Bozen oder ins Sommerlager nach Pomposa an der Adria. Vor Ort oder in der näheren Umgebung gibts kaum Gelegenheiten – und das wird so bleiben. Jetzt tut sich möglicherweise eine Alternative auf, die „nur noch“ 60 Kilometer entfernt liegt.
In Steißlingen bei Stockach wird im August  das landesweit einmalige „Fahrdynamische Zentrum Bodensee“ in Betrieb gehen, dass den Kart- wie den Motorradfahrern vom ADAC-Ortsclub Friedrichshafen mit der „Renngemeinschaft Graf Zeppelin“ die Chance eröffnet, dort Trainingseinheiten auf vier und zwei Rädern buchen zu können. Mit dem Leiter der Kart-Jugendgruppe, „Enzo“ Franco, dem Sprecher  des 1. Supermoto-Club Bodensee, Michael Moebius (Meckenbeuren) sowie der Häfler Rennfahrer-Legende „Gebe“ Zeller, fuhr der Präsident des ADAC-Ortsclub Friedrichshafen, Christian Kubon, jetzt auf die Baustelle, um sich ein Bild von der Anlage zu machen, die im Sommer eröffnet werden soll.
„Ohne die Kreisverkehrswacht Hegau wäre die Anlage nicht möglich gewesen“, lobt der junge Betriebsleiter Aaron Burkart (einst Rallye Junioren-Weltmeister) das über vier Millionen Euro teure Projekt, das die Firma Schleith GmbH in Waldshut-Tiengen auf über 51 000 Quadratmetern Fläche ihrer Steißlinger Niederlassung erstellt hat. Die technische Ausstattung des „Fahrdynamischen Zentrums Bodensee“ sucht in Baden-Württemberg ihres gleichen. Der Handlingkurs hat eine Länge von 1400 und eine Breite von acht Metern. Er kann bewässert werden und ist mit hydraulischen Hindernissen versehen. Es gibt einen Motorrad-Spezial-Parcour. Die Dynamikfläche ist 240 x 50 Meter groß, hat Gleitflächen und eine Schleuderplatte sowie eine Kreisbahn mit einem Durchmesser von 70 Metern, die teilbewässert und mit Wasserhindernissen versehen ist.
Ebenfalls noch im Rohbau befindet sich das Hauptgebäude mit unter anderem 10 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche, Seminarräumen, Jugendverkehrsschule, einer Terrasse mit Aussicht auf die komplette Anlage und einer Cafeteria.
Trainieren sollen auf der Anlage Lenker von Pkw (auch Anhängertraining wird es geben), Kart, Lkw, Bus und Motorrad. Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h sind möglich. Auch defensives  Fahren wird von den Spezialisten beigebracht. Die Fahrtechnikpiste umfasst eine Gleitfläche inklusive Wechselkurve, ist bewässerbar und beinhaltet 14 Wasserhindernisse samt Schleuderplatte. Die Kreisbahn bietet ebenfalls eine bewässerbare Gleitfläche und Wasserhindernisse, auf der Bremsstrecke können Bremsen, Ausweichen und Kurvenfahrten auf Aquaplaning trainiert werden. In der Jugendverkehrsschule lernen Kinder und Jugendliche spielerisch Verkehrs- und Verhaltensregeln.
Für „Enzo“ Franco und seine Kart-Jugendgruppe wie für Michael Moebius vom Supermoto-Club bedeutet das Trainingsgelände in Steißlingen etwas weniger Kilometer Fahrtstrecke. Auch zeitlich sollte es in etwas kürzerer Zeit erreichbar sein als jetzt Memmingen, Ehingen oder Bopfingen. Freilich nur dann, wenn es der Verkehr auf der B 31 zulässt!
Präsident Christian Kubon bedauert nach wie vor die fehlenden Trainingsmöglichkeiten in Friedrichshafen oder der näheren Umgebung. Zwar sei das etwas nähere Ziel Steißlingen ein „gewisser Lichtblick“, vor allem für die Kartjugend einschließlich deren Eltern und Betreuer bleibe der Aufwand mit Verladen und Fahrtzeiten allerdings weiter immens.

 

Speed Academy setzt auch 2015 auf Tim Zimmermann

Tim Zimmermann aus Langenargen wird ein weiteres Jahr Mitglied der „Deutsche Post Speed
Academy“ sein. Das gaben beide Seiten nun bekannt. Der Kader besteht aus den größten
Motorsporttalenten Deutschlands und hat unter anderem Formel 1-Fahrer wie Adrian Sutil und Nico
Hülkenberg hervorgebracht. Zimmermann bestreitet damit sein zweites Jahr in der „Speed Academy“.
Im Viererbob durch den Eiskanal, driften auf dem Nürburgring und einen Tag mit Reporterlegende Kai Ebel
verbringen – daran erinnert sich der Langenargener Tim Zimmermann noch sehr gut. All diese Erlebnisse
ermöglichte ihm im vergangenen Jahr die „Deutsche Post Speed Academy“. In den Workshops werden die
Förderkandidaten in Sachen geistiger und körperlicher Fitness geschult, aber auch der Umgang mit den
Medien steht auf der Tagesordnung. „Das waren tolle Erfahrungen“, sagt Zimmermann. „Ich freue deshalb
auch sehr auf die kommende Saison mit der „Speed Academy““
Neben dem Lernen steht aber auch ein gewisses Maß an Wettkampf an. Der Vorjahresdritte Zimmermann
misst sich mit sechs anderen Kandidaten in vier verschiedenen Wertungszeiträumen bis Ende Oktober. Eine
Jury um den DTM-Piloten Timo Glock und Motorsporturgestein Klaus Ludwig bewertet die Leistungen der
jungen Motorsportler und schüttet am Ende des Jahres insgesamt 200.000 Euro aus. „Selbstverständlich ist
das ein Anreiz“, so Zimmermann. „Was wir dort in den Workshops lernen und der freundschaftliche Umgang
mit den anderen Kandidaten steht aber mindestens auf derselben Stufe wie der finanzielle Aspekt.“
Tim Zimmermann geht in diesem Jahr – wie drei weitere Mitglieder der „Speed Academy“ – in der neu
geschaffenen ADAC Formel 4 an den Start und vertraut dabei, wie im Vorjahr, auf das österreichische Team
Neuhauser Racing. „In der „ADAC Formel Masters“ waren wir vergangenes Jahr richtig schnell unterwegs“,
sagt der beste Rookie der Saison 2014. „Mit diesem Paket und der Unterstützung der „Deutsche Post Speed
Academy“ im Rücken kann die Saison von mir aus losgehen.“ Ein wenig wird sich Zimmermann allerdings
noch gedulden müssen. Die Saison startet am 24. April in Oschersleben.