Zimmermann ist ADAC GT Masters Juniorchampion

Zimmermann ist ADAC GT Masters Juniorchampion

Tim Zimmermanns Nägel sollten am Sonntagnachmittag bis auf ein Minimum heruntergekaut gewesen sein. Gut eine Stunde stand der 24-Jährige beim letzten Rennen der ADAC-GT-Masters-Saison in der Box und musste zuschauen, wie sein direkter Konkurrent Jannes Fittje Punkt um Punkt in der Juniorwertung gut machte. „Das war eine ganz schlimme Situation“, beschreibt er seine Gefühlslage zwischen Hoffen und Bangen. „Auf der Strecke hätte ich gern Rad an Rad um die Juniorwertung gekämpft. Machtlos draußen zu sitzen war eine elendige Qual.“ Dass es überhaupt soweit kommen musste, zeichnete sich schon am Samstag ab. Zimmermanns Teamkol- lege Steijn Schothorst fuhr den Lamborghini Huracan GT3 Evo zwar auf die 14. Startposition, stellte die Grasser-Mechaniker aber auch vor eine heikle Aufgabe. Nach einem Unfall im Zeittraining mussten sie den orangen Renner innerhalb von Stunden wieder herrichten. Rein optisch war das gelungen, das Auto hatte aber doch mehr abbekommen. Schothorst übergab nach der Rennhälfte auf einem Platz im Mittelfeld, Zimmermann fuhr das Rennen als 17. zu Ende. „Ich hatte kein Vertrauen in das Auto, weil es eben nach dem Unfall am Morgen nicht ganz in Ordnung war“, sagt er. „Ich musste viel früher bremsen als gewohnt. Deshalb war nicht mehr drin.“ Jannes Fittje wurde Vierzehnter und verkürzte Zimmermanns Vorsprung vor dem entscheidenden Rennen auf unter 25 Punkte. Bei 37 möglichen Zählern für einen Juniorensieg war also alles noch drin. „Ich wusste, dass ich unter Druck war und Platz neun im Qualifying war ok“, so Zimmermann. „Dass der Start sich dann so entwickeln sollte, wollte ich mir vorher gar nicht ausmalen.“ Denn Zimmermann stand schon nach weni- gen Metern in entgegengesetzter Richtung auf der Strecke. Sein Auto war völlig demoliert. Eigentlich kam der Langenargener gut weg, doch Kelvin van der Linde wollte mit Gewalt noch in den Meis- terschaftskampf eingreifen. Der Audi-Pilot zog mit zwei Reifen auf dem Gras am Zimmermann-Lamborghini vorbei, drehte sich und erwischte Zimmermann mit voller Wucht. „Das war sicher nicht besonders klug“, sagt Zimmermann. „Kelvin hat sich aber entschuldigt und die Sache ist gegessen.“ Eine entspannte Hal- tung, die noch direkt nach dem Crash weit entfernt war. Denn Jannes Fittje kam unbeschadet aus der Kolli- sion und fuhr minutenlang als drittbester Rookie über die Strecke in Oschersleben. „Hätte er ein Auto über- holt, wäre er in der Endabrechnung ganz oben gestanden“, weiß Zimmermann. Dass ihm das nicht gelang, brachte Zimmermann den Sieg in der Endabrechnung - mit 1,5 Punkten Abstand auf Fittje. Zimmermann hat also sein Ziel erreicht - er ist der beste von insgesamt 20 Juniorpiloten im ADAC GT Mas- ters 2020. Für seinen Teamchef Gottfried Grasser war dieser Erfolg die „Krönung einer mega Saison, in ei- ner der härtesten Serien, die es im GT-Sport gibt.“ Auch Zimmermann ist über diesen Erfolg mehr als glück- lich. „Nach einem durchwachsenen Saisonstart hätte das sicher keiner gedacht, dass wir Polepositions und Podiumsplatzieren holen“, freut er sich. „Ich danke Steijn und dem ganzen Team für einen unfassbar guten Job.“ Als Belohnung gab es übrigens 22 Reifensätze von Pirelli für die kommende Saison - mit einem Wert von über 40.000 Euro. Diesen Betrag kann Zimmermann nun schon einmal abziehen, wenn er die kommende Saison kalkuliert. „Damit wird es jetzt auch die Aufgabe für die kommenden Tage - rechen“, sagt Zimmer- mann, der nach dem Corona bedingten späten Saisonende kaum Zeit zum Durchschnaufen finden wird. „Jetzt geht es an die Planung für die Saison 2021.“

09.11.2020

Lausitzring bleibt schwieriges Pflaster

Lausitzring bleibt schwieriges Pflaster

Der Blick auf Tim Zimmermanns Grasser-Lamborghini am Sonntagnachmittag zeigte ganz gut, womit die Fahrer beim ADAC GT Masters am Lausitzring zu kämpfen hatten. Das ifm-Orange war kaum mehr zu sehen, denn nach drei Tagen fast durchgängigen Regens war so viel Matsch auf der Strecke, dass der italienische Renner fast gänzlich in ein dunkles Braun getaucht war. „Die Bedingungen waren wirklich hart“, fasst Tim Zimmermann sein nicht ganz optimales Ergebnis zu- sammen. „Es war nicht nur rutschig und matschig, sondern der Regen war auch für unser Auto eher ein Nachteil.“ Das zeigte sich schon im Samstags-Qualifying. Die Doppel-Polesetter vom Red-Bull-Ring retteten sich auf einen achten Platz im Zeittraining. Den baute Steijn Schothorst mit einem Raketenstart aus und setzte sich gleich auf Rang drei. Im Duell mit den späteren Laufsiegern Christopher Haa- se und Max Hofer konnte Schothorst sich bis zum Boxenstopp behaupten und wollte auf Rang vier liegend an Zimmermann übergeben. Der jedoch konnte den Motor des Lamborghini nicht mehr starten, verlor viel Zeit und musste am Ende von den Mechanikern angeschoben werden. „Dann lief das Auto wieder“, sagt Zimmermann zerknirscht. „Das Anschieben ist aber leider auch verboten und zog eine Strafe nach sich.“ 30 Sekunden bekam die Truppe nachträglich aufge- brummt und fiel vom Podiumsplatz auf Rang 22 zurück. Zimmermann nutzte die Zeit auf der Strecke, um sich auf das Zeittraining vom Sonntag einzu- schießen. Der 24-Jährige wartete auf bessere Streckenverhältnisse, musste aber trotzdem im stärker werdenden Regen raus. Mit der schnellsten Zeit im Nassen zeigte er seine Fähigkeiten und sicherte sich Startplatz 13. Von dort wollte er weiter nach vorn, wurde aber bei schlechten Sichtverhältnissen ins Gras gedrängt und fand sich auf dem 29. Rang wieder. Mit Wut im Bauch überholte er Konkurrent um Konkurrent und wurschtelte sich bis zum Boxenstopp wieder auf Platz 22 zurück. Schothorst übernahm, fuhr schnelle Rundenzeiten und kam schlussendlich auf einem versöhnlichen 14. Platz ins Ziel. „Das hat unser Wochenende zumindest noch ein bisschen gerettet“, so Zimmermann.“Wir waren wieder schnell, konnten es aber nicht im Rennen zeigen. Das müssen wir beim Saisonfinale deutlich besser machen.“ Und das steht schon am kommenden Wochenende (6. bis 8. November) an. Dann geht das ADAC GT Masters in Oschersleben in die finalen zwei Rennen. Weil auch Zimmermanns direkte Konkur- renz um den Juniorentitel am Lausitzring patzte, fährt der Langenargener mit 31,5 Punkten Vor- sprung an die Motorsportarena. Sollte Zimmermann im Samstagsrennen vor Jannes Fittje an- kommen und 7 Punkte mehr in der Nachwuchswertung abstauben, könnte sich Zimmermann schon frühzeitig den Titel sichern. Ansonsten wird es am Sonntag zum Showdown zwischen den beiden GT-Masters-Junioren kommen.

02.11.2020

Tim Zimmermann rast zur Pole Position

Tim Zimmermann rast zur Pole Position

Tim Zimmermann könnte sich mit seinem Teamkollegen Steijn Schothorst nach dem Rennwochenende am Red Bull Ring in den Skiurlaub begeben. Denn die passenden Latten hätten die beiden Youngster im Gepäck gehabt. Für die Besten des Qualifyings gab es nämlich, passend zu den winterlichen Temperaturen, ebendiese als Geschenk. „Hätten wir Zeit für Urlaub, wäre das sicher eine schöne Option gewesen“, lachte Zimmermann. „Viel wichtiger als das Geschenk waren aber die beiden Pole Positions, die wir uns hart im Zeittraining erkämpft haben.“ Der Lamborghini funktionierte also besser als gedacht auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke - zumindest auf eine Runde. Denn den Nachteil des Saugermotors gegenüber dem Turbo von BMW spürte Steijn Schothorst beim Samstagrennen schon in der ersten Kurve. Bis auf die lange Gerade blieb der Niederländer noch vorn, dann beschleunigte die Konkurrenz das Grasser-Auto aus. Nach einem kurzen Ausritt ins Kiesbett fand sich Schothorst auf Rang sieben wieder und übergab sein Einsatzfahrzeug zur Rennhälfte an Zimmermann. Der robbte sich an den Mercedes und den Porsche vor sich heran, hatte aber immer auf der Geraden das Nachsehen. „Im Qualifying zählt die perfekte Runde und wir konnten unsere Stärke im kurvigen Teil ausspielen“, erklärte der Langenhagener später. „Zum Überholen brauchst Du aber Geschwindigkeit auf der Geraden und die fehlte uns ein wenig.“ Am Sonntag führte dann Tim Zimmermann das Feld an. Doch auch er hatte gleich nach Kurve zwei das Nachsehen. Der 24-Jährige kämpfte gegen die BMW-Power auf verlorenem Posten und reihte sich als Siebter ins Feld ein. Mit einem guten Boxenstop erarbeitete Zimmermann wieder Rang fünf. Schothorst übernahm und setzte alles daran, den orangen Lambo wieder zurück aufs Treppchen zu fahren. Doch leider zeigte der Niederländer zu viel Einsatz, sodass die Grasser-Mannschaft kurz vor Schluss noch 15 Sekunden Strafe aufgebrummt bekam. Schothorst hatte einmal zu viel die Tracklimits missachtet - wie viele andere Fahrer auch. „Am Ende können wir mit dem neunten Rang trotzdem noch zufrieden sein, auch wenn das kein optimales Wochenende war“, bilanzierte Tim Zimmermann, der für die Renngemeinschaft Graf Zeppelin startet. „Wir haben bewiesen, dass wir schnell sind. Das nehmen wir aus Spielberg für uns mit.“ In der Juniorenwertung gab es sogar einen Platz auf dem Treppchen und einen soliden vierten Rang für Tim Zimmermann. Diese Punkten vergrößern seinen Vorsprung auf Rang zwei dieser Wertung auf 42 Punkte. Im Gesamtklassement ging es ebenfalls auf Rang neun nach oben. Sein Team Grasser Racing rangiert nun in der Teamwertung auf Platz fünf. Am 30. Oktober geht es dann für den ADAC-GT-Masters-Tross erneut an den Lausitzring, wo schon der Auftakt Anfang August stattfand. „Obwohl wir da nicht wirklich geglänzt haben, sollte dem Lamborghini diese Strecke bedeutend besser liegen als der Red Bull Ring“, blickt Zimmermann schon einmal voraus. „Wir haben mit dem Lausitzring definitiv noch eine Rechnung offen.“

19.10.2020

Fessler Max

Ein hochdekoriertes Urgestein der Renngemeinschaft

Infiziert für den Motorsport wurde Max Fessler von seinem Onkel in Steinhausen bei Schussenried. Dort war seine Familie evakuiert, nachdem im April 1944 sein Elternhaus in der Riedleparkstraße bei einem Luftangriff völlig vernichtet worden war. Gerade mal vier Stunden zuvor hatten sie noch rechtzeitig die Heimat verlassen. Bereits 1952 bekam er sein erstes Motorrad, eine Triumph 125.  Es folgten noch eine Puch 125 und dann die geliebte BSA aus England. Weitere Maschinen wie Eckert-Honda, Egli-Kawasaki oder Yamaha hat er pilotiert.  Unvergesslich sind die Grasbahnrennen an der Ravensburger Straße vor dem Seewald und das Ski-Jöring im VfB-Stadion. Die Fahrerlizenz erhielt er 1960. Nach der Solitude, Nürburg-, Hockenheim- und Schottenring war der lupenreine Amateur auch auf  Rennpisten in Belgien und Österreich im Einsatz. Große Erfolge feierte Max in den 70er-Jahren beim 1 000-Kilometer-Rennen von Hockenheim, als er im Zweierteam mit Karl-Heinz Kees (Kressbronn) und Josef Hage (Friedrichshafen) jeweils zu den „Topten“ zählte. Tolle erste und zweite Plätze erkämpfte er sich auch auf seiner BSA 500 „Goldstar“ bei Grasbahnrennen. Viele Freundschaften und Begegnungen sind durch den Motorsport entstanden, beispielsweise mit Wolfgang und Lothar Haag, Gebhard Zeller, Weltmeister Toni Mang und Vizeweltmeister Reinhold Roth.
Der Motorradsport hält ihn jung, offenbar hat der Mann „Benzin im Blut.“ Und trotz schwerer Schicksalsschläge, 2003 verstarb seine geliebte Frau Rosi, hat er immer noch den Ehrgeiz, sich mit seiner Kawasaki ZX9R mit den wesentlich jüngeren Konkurrenten zu messen. Seinen ersten Sieg in seiner über 50-jährigen Motorsportkarriere landete Fessler übrigens 1967 auf der legendären Solitude-Rennstrecke in Stuttgart, wo er mit seiner „betagten“ BSA (Baujahr 1952) den haushoch favorisierten Hondas das Hinterrad zeigte. Wenn Max so weitermacht, muss der ADAC bald ein neues Sportabzeichen auflegen: Die bisher höchste Auszeichnung, das Goldene Sportabzeichen mit Gold und Brillanten hat er schon…
Schätzen tut er seinen zwanglosen Oldtimer-Stammtisch im Café Ulmer in der Pacellistraße.  Dort trifft er sich mit den Fans von so klangvollen Namen wie MZ, BMW, NSU, Zündapp, Laverda, BSA, Moto Guzzi, MV Agusta, Gilera, Ducati, Puch, Adler oder Motobi zum Fachsimpeln. Körperlich fit hält er sich beim regelmäßigen Squashspiel und dem Fußballtraining bei den Senioren des TSV Fischbach.
Text: Helmut Krissler